Vom 7. bis zum 11. Februar 2026 nahm eine Schülergruppe der Modellschule Obersberg an einem Studienaufenthalt in Polen teil. Ziel der Fahrt war es, sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus, sowie der Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. Die Reise führte nach Oświęcim und Kraków und bot viele eindrückliche Begegnungen mit historischen Orten und persönlichen Geschichten.
Nach der Anreise und der Ankunft in Oświęcim am ersten Tag, begann das eigentliche Programm am Sonntagmorgen mit einer Stadtführung. Dabei erhielten wir, die Schülerinnen und Schüler, Einblicke in das jüdische Leben in der Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg. Besonders eindrücklich war die Erkenntnis, dass einst ein großer Teil der Bevölkerung jüdisch war, während der Zeit des Nationalsozialismus jedoch über 90 Prozent der jüdischen Einwohner grausam deportiert und ermordet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben nur Überreste und kaum jüdische Menschen zurück.
Anschließend besuchten wir das jüdische Zentrum der Stadt und erhielten historische Einblicke, denn die Stadt war geografisch bedeutsam für die Nationalsozialisten. In der Synagoge von Oświęcim besichtigten wir eine Ausstellung, welche persönliche Gegenstände, Dokumente und Fotografien zeigten, die das Leben der jüdischen Familien vor und während der NS-Zeit dokumentierten. Diese Einblicke machten deutlich, dass hinter der Geschichte und Verfolgung viele individuelle Schicksale standen und durch die Nazis zerstört wurden. Am Nachmittag besuchten wir im Franziskanerkloster in Harmęże die Ausstellung „Erinnerungsklischees Labyrinthe“ mit Werken des ehemaligen Häftlings Marian Kołodziej. Die Zeichnungen und Kunstwerke entstanden viele Jahre nach seiner Haft im Konzentrationslager und verarbeiten seine Erinnerungen an diese Zeit, welche unmenschlich und sehr verstörend waren, jedoch die traumatische Wahrheit widerspiegelten. Die Ausstellung war sehr eindrucksvoll und zeigte, wie Kunst helfen kann, traumatische Erfahrungen auszudrücken und zu verarbeiten. Ebenfalls machten sie deutlich, wie unmenschlich die Bedingungen in Konzentrationslagern waren und unmenschlich mit den Häftlingen umgegangen wurde.
Der dritte Tag führte uns in das Stammlager Auschwitz I. Dort erhielten wir eine mehrstündige Führung durch die Gedenkstätte, während des Rundgangs wurden uns verschiedene Gebäude, Ausstellungen und Orte gezeigt, die das Leben der Häftlinge und die Struktur des Lagers erzählten, die Spuren der Schreckenszeit war zu spüren, denn die Atmosphäre während der Führung war sehr bedrückend und regte viele zum Nachdenken an. Am Nachmittag besuchten wir eine Kunstausstellung innerhalb der Gedenkstätte, in der Werke ehemaliger Häftlinge gezeigt wurden. Besonders beeindruckend war die Vorstellung, dass selbst unter den grausamsten Bedingungen Menschen weiterhin das Bedürfnis hatten, zu zeichnen und zu malen. Die Kunstwerke erzählten persönliche Geschichten und machten deutlich, dass hinter jedem Opfer ein individuelles Leben stand.
Am vierten Tag stand der Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz II-Birkenau auf dem Programm. Dort sahen wir die weitläufigen Anlagen des Lagers und erhielten Einblicke in die vielen und heruntergekommenen Baracken, in denen die Häftlinge unter extremen und unmenschlichen Bedingungen leben mussten. Auch die Überreste der Gaskammern und Krematorien wurden thematisiert, wodurch deutlich wurde, in welchem Ausmaß die nationalsozialistischen Verbrechen dort organisiert wurden. Ein besonders erschütternder Aspekt der Nationalsozialisten war, dass viele Häftlinge nicht nur systematisch ermordet wurden, sondern bewusst unter Bedingungen leben und arbeiten mussten, die sie langsam zugrunde richten sollten. Die Nationalsozialisten nahmen den Tod der Häftlinge nicht nur in Kauf, sondern schufen gezielte Lebensumstände aus Hunger, harter Zwangsarbeit, Misshandlungen und absoluten Entkräftigung. Viele Menschen wurden so regelrecht zu Tode geschuftet und verloren damit auch ihren Willen weiterzuleben und die Hoffnung auf ein Überleben. Dies ließ
uns erschüttert, fassungslos und traurig zurück. Am Nachmittag nahmen wir an einem pädagogischen Workshop teil, welcher von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte organisiert wurde. Wir beschäftigten uns intensiver mit einzelnen Biografien von Menschen und auch Zeitzeugen und dessen Erfahrungsberichten. In einer anschließenden Reflexionsrunde sprachen wir über unsere Eindrücke und darüber, wie wichtig Erinnerungskultur heute noch ist. Besonders deutlich wurde dabei, dass jede einzelne Person, die verfolgt wurde oder im Lager starb, eine eigene Geschichte und ein eigenes Leben hatte.
Am fünften Tag fuhren wir nach Krakau. Dort nahmen wir an einer Führung durch das jüdische Viertel Kazimierz teil, welche nicht nur die wunderschöne Stadt zeigte, sondern auch den Fokus auf das jüdische Leben vor und während der nationalsozialistischen Besatzung. Daraufhin besuchten wir eine Synagoge sowie einen jüdischen Friedhof und lernten mehr über das Judentum.
Ein besonderer Programmpunkt war am Nachmittag die Begegnung einer Zeitzeugin, welche zu ihrer Kindheit die NS-Zeit uns sehr eindrücklich wiedergab, und von ihren Erfahrungen sprach. Ihr Apell an uns und unserer Generation ist es gute Menschen zu sein und hinzusehen, damit nie wieder eine Menschengruppe wie die Juden grausam ermordet wird. Am Abend gingen wir gemeinsam in ein traditionelles jüdisches Restaurant, in dem Live-Musik gespielt wurde und die Reise gemeinsam ausklingen ließen, bevor es später zurück nach Deutschland ging. Neben den offiziellen Programmpunkten gab es auch viele Momente, in denen wir als Schüler und Schülerinnen zusammenkam. An einigen Abenden saßen wir zusammen, führten Gespräche über das Erlebte und spielten gemeinsam Spiele wie Werwolf.
Die Studienfahrt war für viele Teilnehmende eine sehr bewegende Erfahrung. Der direkte Besuch der historischen Orte, die Auseinandersetzung mit persönlichen Schicksalen und die Gespräche innerhalb der Gruppe machten deutlich, wie wichtig Erinnerung und Aufklärung über die nationalsozialistischen Verbrechen auch heute noch sind.
Die Fahrt wurde durch den Elternverband der Modellschule Obersberg, die Bürgerstiftung des Kreises Hersfeld-Rotenburg und die Hessische Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Ihnen gilt der Dank für die Unterstützung und Ermöglichung der Fahrt.
Beim Nachbereitungstreffen zur Studienfahrt „Lernort Auschwitz“, das am vergangenen Donnerstag stattfand, stand vor allem die gemeinsame Reflexion der intensiven Eindrücke und Erfahrungen im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler tauschten sich über persönliche Gedanken, bewegende Momente und die Bedeutung des Erinnerns aus. Besonders vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, zunehmender Polarisierung und demokratiefeindlicher Tendenzen wurde die Frage diskutiert, welche Verantwortung sich aus der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen für die Gegenwart ergibt.
In diesem Zusammenhang wurde die Parabel „Brauner Morgen“ des französischen Autors Franck Pavloff gemeinsam gelesen und besprochen. Die eindringliche Erzählung thematisiert schleichende Anpassung im Zuge der Gleichschaltung, Gleichgültigkeit und den Verlust demokratischer Werte und bot einen wichtigen Impuls für die Diskussion über Zivilcourage und gesellschaftliche Verantwortung.
Darüber hinaus begannen die Schülerinnen und Schüler mit der Gestaltung einer kleinen Ausstellung für die Schulgemeinde. Fotos, persönliche Gedanken und Erinnerungsstücke der Fahrt sollen dabei helfen, die Erfahrungen sichtbar zu machen und andere zum Nachdenken anzuregen.
Ergänzend soll noch auf den ausführlichen Bericht über die Studienfahrt verwiesen werden, der von einer Schülerin verfasst wurde und die gemeinsamen Erfahrungen sowie die Bedeutung der Fahrt zusammenfasst.
